„Loverboys“ zwingen Mädchen zur Prostitution - Infoveranstaltung in Paderborn (Oktober 2012)


Informierten über die Masche von Loverboys und Hilfeangebote für Opfer:
(v. l.) Corinna Dammeyer (Beratungsstelle Nadeschda), Bärbel Kannemann (Selbsthilfegruppe EILOD), Pfarrerin Birgit Reiche (Arbeitskreis gegen Kinderprostitution und Menschenhandel der Evangelischen Kirche von Westfalen) und Dirk (EILOD, Vater eines Opfers). Foto: EKP/Oliver Claes

Loverboys schleichen sich als „erste große Liebe“ in das Leben junger Mädchen. In Wahrheit sind sie jedoch Zuhälter, die diese Mädchen unter Zwang oder psychischem Druck in die Prostitution zwingen.
Die Masche ist alt; neu ist, dass die Opfer immer jünger werden, auch Zwölfjährige sind darunter.

Die von betroffenen Eltern 2011 gegründete Selbsthilfegruppe EILOD e.V. aus Düsseldorf hatte in den vergangenen zwei Jahren Kontakt zu rund 350 Betroffenen (Eltern und Mädchen), berichtete Bärbel Kannemann von der Initiative. Um die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren und auf regionale Hilfeangebote aufmerksam zu machen, hat der Arbeitskreis gegen Kinderprostitution und Menschenhandel (AK Kipro) der Evangelischen Kirche von Westfalen gemeinsam mit EILOD e.V., der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. und lokalen Bündnissen zu insgesamt vier Informationsveranstaltungen in Westfalen eingeladen.

Auftakt war mit rund 50 Interessierten - Lehrer, Sozialpädagogen, Mitarbeiter der Jugendarbeit und Eltern - im Paderborner Paul-Gerhardt-Haus. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es Menschenhandel und Kinderprostitution auch vor unserer Haustür gibt“, so Pfarrerin Birgit Reiche von der AK Kipro.

„Die Dunkelziffer ist sehr hoch“, betonte Bärbel Kannemann. Die Opfer würden sich schämen, Anzeige zu erstatten und fühlten sich oft auch nicht verstanden. Die Täter würden die Mädchen an Treffpunkten für Jugendliche oder im Internet ansprechen. „Sie versuchen dann, die Mädchen der Familie und den Freunden zu entfremden, sie emotional und finanziell abhängig zu machen“, erklärte Kannemann. So war es auch bei Dirk, dessen Tochter Opfer eines Loverboys wurde und die heute, nach ihrem Ausstieg aus der Prostitution, in einer Schutzwohnung lebt. „Das ganze soziale Umfeld bröckelte. Es gab oft Streit“, erzählte der Vater.

Anzeichen dafür, dass ein Mädchen Opfer eines Loverboys geworden ist, können laut Bärbel Kannemann unter anderem sein, dass sie ihr Verhalten und ihre Kleidung stark verändert, mehrere Handys besitzt, sich selbst verletzt und sehr lange und häufig duscht. Für betroffene Eltern sei es wichtig, den Kontakt zu den Mädchen zu halten und Hilfe bei Beratungsstellen und Opferschutzbeauftragten der Polizei zu suchen.

„Niemand muss alleine mit dem Problem fertig werden, nicht die Mädchen, nicht die Eltern“, machte Corinna Dammeyer von der Beratungsstelle Nadeschda (Frauenberatungsstelle für Opfer von Menschenhandel der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V.) deutlich. Für den Bereich Ostwestfalen-Lippe seien Nadeschda und Theodora (Prostituierten- und Ausstiegsberatung für Mädchen und junge Frauen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V.) zuständig, ergänzt Pfarrerin Birgit Reiche.In Paderborn können sich Betroffene zudem an den Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) und die Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde Paderborn wenden.

„Die Schilderungen von Bärbel Kannemann und des betroffenen Vaters waren sehr beeindruckend. Sie haben viele Zuhörer angerührt“, sagte Pfarrerin Antje Lütkemeier vom Ausschuss für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung des Evangelischen Kirchenkreises Paderborn, der die Veranstaltung in Paderborn organisiert hatte. Es habe viele Rückfragen und eine gute Diskussion gegeben, zog Lütkemeier ein positives Fazit.

Radiobeiträge

Bei der Infoveranstaltung in Herford am nächsten Tag hat Radio Herford gute Radiobeiträge zur „Masche mit der Liebe“ gesendet, die die Aufklärung über Loverboys in der Region auch erleichtern wird.
Hier die Beiträge:

Beitrag 1 (1,20 min)

Beitrag 2 (2,23min)

 

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