Neue Leiterin des Frauenhauses Soest zieht erste Zwischenbilanz

November 2017

Neue Leiterin des Frauenhauses Soest zieht erste Zwischenbilanz (November 2017)

Sabine Emming ist seit März neue Leiterin des Frauenhauses Soest.
Foto: Jutta Niggemeier, Soester Anzeiger

Sabine Emming ist seit März neue Leiterin des Frauenhauses Soest. Die 42jährige stellt sich der neuen beruflichen Herausforderung, nachdem sie zuvor im Bereich Vormundschaften und Pflegschaften tätig war. In einem Weiterbildungsstudium eignete sie sich zuvor Wissen an, das sie nun in ihrer alltäglichen Praxis einsetzt. Als anerkannte psychosoziale Prozessbegleiterin gehe es um die Frage: Was brauchen Menschen, die traumatisierende Erlebnisse durchgestanden haben? In Soest angekommen, mit offenen Armen in einem fachlich gut aufgestellten Team aufgenommen und eine gute Vernetzung vorgefunden – so lautet ihr Fazit nach den ersten Monaten im Dienst.

„Alle, die sich bei uns melden, befinden sich in einer akuten Notsituation“, betont die Sozialarbeiterin, „aber wir können sie nicht mehr alle aufnehmen.“ Es sei eine „unfassbar hohe Zahl von Anfragen“ in diesem Jahr. „Wir sind immer um Lösungen bemüht“, sagt die gelernte Bankkauffrau und Sozialarbeiterin, die in Unna-Hemmerde zuhause ist. „Dabei sollte jede von Gewalt bedrohte und betroffene Frau schnell Schutz und Hilfe in unserer Einrichtung bekommen“, stellt die Leiterin des Frauenhauses Soest fest. Die Mutter dreier Kinder betont, dass das Team des Frauenhauses alle Hebel in Bewegung setzt, um den schutzsuchenden Frauen weiterzuhelfen. „Wir wünschen uns, dass die Gewalt an Frauen deutlich abnimmt, so dass unsere Arbeit nicht mehr notwendig ist“, erklärt die 42jährige. „In der derzeitigen Realität jedoch brauchen wir mehr Plätze und damit mehr Personal für die Frauenhäuser.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jede 2. Frau hat bereits psychische Gewalt durch einen Partner erlebt. Zynisch wird es, wenn der wirtschaftliche Schaden, der durch Gewalt an Frauen entsteht, auf 14,5 Milliarden Euro in Deutschland beziffert werden muss. Im Frauenhaus Soest fanden im vergangenen Jahr 44 Frauen mit ihren 53 Kindern Zuflucht und professionelle Hilfe. Wie auch in den vergangenen Jahren war der überwiegende Teil der Schutzsuchenden zwischen 25 und 35 Jahre alt. Zwischen zwei Tagen und neun Monaten blieben sie im Haus, die meisten zogen nach etwa zwei bis drei Monaten aus. Elf der 44 Frauen bauten sich eine dauerhaft eigenständige Lebensperspektive nach den schweren Gewalterlebnissen auf.

Im Jahresbericht der Polizei NRW Kreis Soest wird für 2016 aufgeführt, dass es 446 Ermittlungen wegen Gewalt im sozialen Nahraum gab, in 236 Fällen wurden sogenannte Gefährdungsansprachen durchgeführt. In 192 Fällen wurden gegen die Beschuldigten Wohnungsverweise mit zeitlich befristeten Rückkehrverboten ausgesprochen. Bei 197 Menschen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, wurde eine Vermittlung an Schutz-, Beratungs- und Unterstützungsstellen vorgenommen.

„Stärken stärken ist eine Chance, die Spirale von Gewalt gegen Frauen und Kinder gar nicht erst in Gang kommen zu lassen“, fasst Sabine Emming zusammen. Wenn Frauen und Kindern bewusst ist, wer und was ihnen gut tut und was sie nicht ertragen können oder wollen, können sie frühzeitig ihre Grenzen deutlich machen. Die 42jährige erlebt immer wieder, wie schwierig es ist, zu einem späteren Zeitpunkt aus dem Kreislauf von Gewalt auszusteigen.

Derzeit benötigt das Frauenhaus Spenden für das Zentrum des Hauses: Die Küche, in der die Frauen für sich und ihre Kinder die täglichen Mahlzeiten zubereiten, ist in die Jahre gekommen und muss dringend erneuert werden. Weitere Informationen unter Tel. 02921 17585.

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