Eckpunktepapier zur Qualitätspolitik der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. (2001)

Qualität in der Gesamtorganisation

Qualität ist die Gesamtheit von Merkmalen einer Einheit oder einer Dienstleistung bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen (lt. ISO 8402). Daher ist es notwendig, Qualität strukturell (Strukturqualität), prozeßhaft (Prozessqualität) und ergebnisorientiert (Ergebnisqualität) zu beschreiben.
Das Ergebnis meint ein Produkt von Tätigkeiten und Prozessen. Prozesse sind Wechselbeziehungen von Mitteln und Tätigkeiten, die zu einem Ergebnis führen.
In der Gesamtorganisation bedeutet dies entsprechend:

Strukturqualität: christliche Orientierung laut Satzung § 2
Prozessqualität: bildungsorientierte, gemeindebezogene und sozialdiakonische Arbeit laut Satzung § 3
Ergebnisqualität: Förderung von Lebenserfülltheit
Kundin: Frauen
Produkt: Stärkung, Förderung, Wahrnehmung, Befähigung
Prozess: Bildungswerke, Einrichtungen und Dienste, Gremienarbeit,
verbandsbezogene Arbeit, Beratung, Begleitung, Informationen,
Materialien

Qualitätspolitik der Gesamtorganisation

Qualitätspolitik umfasst von ihrer inhaltlichen Definition die umfassenden Absichten und Zielsetzungen einer Organisation zur Qualität.
Die Beschreibung der Qualitätspolitik ist Trägeraufgabe.
Die Qualitätspolitik der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. besteht in der Förderung der Lebenserfülltheit von Frauen durch bildungsorientierte, gemeindebezogene und sozialdiakonische Arbeit auf der Grundlage der christlichen Orientierung.

Ziele der Qualitätspolitik

Um die Ergebnisqualität, die Lebenserfülltheit von Frauen, zu fördern bzw. zu leisten,

  • ist die Überprüfung und Veränderung der Struktur- und Rahmenbedingungen notwendig
    - sowohl der Produkte als auch
    - der Prozesse als auch
    - der Ergebnisqualität.
  • ist eine ständige Verbesserung oder Änderung der Gesamtorganisationsprozesse notwendig.

Ziel der Qualitätspolitik der Gesamtorganisation ist es, Vertrauen und Akzeptanz zur Gesamtorganisation zu schaffen, um langfristig den Bestand der Gesamtorganisation zu sichern.

  • Das setzt im Unternehmen Wirtschaftlichkeit der Prozesse voraus. Da die Zielsetzungen der Gesamtorganisation nicht gewinnorientiert sind, ist Kostendeckung bei den Angeboten hinreichend.
  • Die Gesamtorganisation ist an nachhaltigen Erfolgen und Ergebnissen interessiert und richtet ihr Handeln danach aus.
  • Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. verurteilt Gewalt gegen Menschen in jeder Form.
    Sie unterstützt in allen Handlungsfeldern Frauen in ihrem Bemühen, ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben zu führen.
    Sie weiß, dass alle Frauen von Gewalt bedroht und betroffen sind, und arbeitet daher offensiv für Veränderungen in Kirche und Gesellschaft, die die Situation von Frauen verbessern.
    Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. legt dabei den Gewaltbegriff von Johan Galtung zugrunde: „Gewalt liegt dann vor, wenn Menschen so beeinflusst werden, dass ihre aktuelle somatische und geistige Verwirklichung geringer ist als ihre potentielle Verwirklichung.“
    Die Verknüpfung von gemeindebezogener, bildungsorientierter und sozial-diakonischer Arbeit soll der nachhaltigen Verwirklichung einer geschlechtergerechten, zukunftsfähigen und gewaltfreien Kirche und Gesellschaft dienen.

Die Bezugsgrößen der Qualitätspolitik in der Gesamtorganisation

Die Qualitätspolitik in der Gesamtorganisation als prozess- und beziehungsorientiertes Dienstleistungsunternehmen umfasst drei interaktive Bezugsgrößen:

  • die Kundin
  • die Mitarbeitenden
  • die Trägergremien

In allen drei Bezugsgrößen können Mitglieder des Vereins sein.

Die Qualitätspolitik in der Gesamtorganisation dient der Verbesserung der Zufriedenheit unterschiedlicher Personengruppen, nämlich die der Kundinnen, die der Mitarbeitenden und die der Trägergremien.
Die Messgrößen für den Grad der Zufriedenheit sind unterschiedliche. Sie sind von der Qualitätspolitik jeweils festzulegen.
Die Qualitätspolitik der Gesamtorganisation in den einzelnen Bezugsgrößen darf sich in ihren qualitätspolitischen Grundaussagen nicht widersprechen.

a) Bezugsgröße: Mitarbeitende - Kundin

  • Die Gesamtorganisation hat qualitätspolitisch sicherzustellen, dass die Arbeitsbedingungen und -mittel adäquat sind und Fachlichkeit und Zeitkontingente der Mitarbeitenden den Anforderungsprofilen entsprechen.
  • Mitarbeitende und Kundin begegnen sich als gleichberechtigte Partnerinnen.

b) Bezugsgröße: Mitarbeitende - Trägergremien

  • Informierte, motivierte und sich mit den Zielen der Gesamtorganisation identifizierende Mitarbeitende leisten ihre Arbeit im Interesse der Gesamtorganisation.
  • Die dafür notwendigen Rahmenbedingungen werden von den Trägergremien gemeinsam mit den Mitarbeitenden dialogisch, partnerschaftlich, partizipatorisch gestaltet, wobei das Bereitstellen von adäquaten Arbeitsbedingungen und -mitteln als eine Pflichtaufgabe der Gesamtorganisation - unter Einbeziehung der Mitarbeitenden - zu verstehen ist.
  • Weitere zwingende Voraussetzungen sind Führungsleitlinien, demokratische und transparente Strukturen, klare Kompetenzen und Zuständigkeiten, Förderung der Mitarbeitenden und Wahrung der Ressourcen von Mensch und Natur.

c) Bezugsgröße: Trägergremien - Kundin

  • Die Gesamtorganisation hat in erster Linie als Bezugsgröße die Kundin ihrer Dienstleistung.
  • Zumeist werden der Gesamtorganisation durch Dritte finanzielle Vorgaben oder Vorgaben der Leistungsinhalte gemacht. Die Qualitätspolitik der Gesamtorganisation hat daher zumeist zwei Bezüge: Kundin und Leistungsträger (Krankenkassen etc.); die Reihenfolge ist aber vorgegeben durch die Struktur- und Ergebnisqualität der Gesamtorganisation. Vorrang haben grundsätzlich die Interessen und Bedürfnisse der Kundin. Um die Ergebnisqualität der Gesamtorganisation - „Leben in Fülle“ von Frauen zu fördern - zu erreichen, können sich die Dienstleistungen nicht nur auf refinanzierte Leistungsinhalte beschränken.

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