120 Jahre wird unsere Frauenhilfe in Westfalen im Jahr 2026 und ich war und bin ihr noch immer sehr verbunden.
Meine Beweggründe sind vor wie nach: ich bin gerne mit Menschen zusammen, besonders mit Frauen.
Es ist mir wichtig, neugierig zu bleiben.
Dinge, die ich nicht verstehe, zu hinterfragen.
Meine Vision ist vor wie nach: die kleine Welt, für die ich verantwortlich bin, positiv zu beeinflussen, vielleicht sogar zu verändern.
Und diese Motivation durfte ich auch in die unterschiedlichen Arbeitsfelder unseres Verbandes einbringen: sei es unser Frauenhaus Soest, das Frauenheim Wengern oder der Anti-Gewalt-Arbeit in unseren Beratungsstellen.
Doch ganz besonders lag und liegt mir die Arbeit „an der Basis“ am Herzen: unsere Stadt- und Bezirksverbände, unsere Frauenhilfegruppen vor Ort.
Herausforderung war in meiner Zeit des Vorsitzes von 2011 bis 2019 also der Spagat zwischen unseren Einrichtungen und unserer Verbandsarbeit.
Umso mehr war mir die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung, Pfarrerin Angelika Weigt-Blätgen, und „meinem“ Vorstand sehr, sehr wichtig.
Wir gemeinsam mussten Verantwortung tragen, um gute Entscheidungen zu treffen.
Ob ich in dieser Zeit Spuren hinterlassen habe, wurde ich gefragt - das müssen andere beurteilen.
Auf meiner letzten Mitgliederversammlung 2019, die ich leiten durfte, schloss ich mit folgenden Worten, die ich auch hier (etwas verändert) an den Schluss stellen möchte:
Die Jahre meiner Vorsitzendenzeit waren spannend. Es gab viele Begegnungen auf den unterschiedlichsten Ebenen unseres Verbandes und über seine Grenzen hinaus.
Besonders werde ich in Erinnerung behalten, den Austausch mit Ihnen, den Frauenhilfen vor Ort.
Es war für mich immer etwas Besonderes, wenn ich ein Grußwort, zu den unterschiedlichsten Anlässen, sprechen, oder über die Arbeit unseres Landesverbandes, berichten durfte.
Meine Amtszeit fiel in die große Umstrukturierung unserer Kirchenkreise: es entwickelten sich Gemeinderegionen, Kirchengemeinden fusionierten, bis hin zu Schließungen von Gemeindezentren und -häusern.
Manche Frauenhilfe musste sich einen neuen Treffpunkt, neue Räume suchen.
(Und diese Entwicklung, nun 6 Jahre später, hat sich erhärtet).
Doch bei meinen Besuchen, in den Telefonaten, aber vor allem auch in den Konsultationsgesprächen erfuhr ich – und wie konnte es bei Frauenhilfe anders sein – dass es in der Regel, für fast alle Schwierigkeiten eine Lösung gab.
Also, sind wir gefordert, unser Denken und Tun immer wieder zu überprüfen und das kann uns auch – innerhalb unseres großen Verbandes mit seinen diakonischen Einrichtungen – zusammenschweißen.
Wir leben in einer bewegenden Zeit und manches Mal höre ich den Satz: „Früher war alles besser, alles einfacher!“
War es das wirklich?
Mit Dank blicke ich zurück auf meine Zeit im Landesverband und wünsche uns allen, dass wir dankbar sein können für das, was war, freudig sein über das, was ist, erwartungsvoll blicken auf das, was vielleicht alles sein kann.
Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt:
Es kommt eine Zeit, da wird man den Sommer Gottes kommen sehen,
die Waffenhändler machen bankrott, die Autos füllen die Schrotthalden
und wir pflanzen jede einen Baum.
Es kommt eine Zeit, da haben alle genug zu tun
und bauen die Gärten chemiefrei wieder auf,
in den Arbeitsämtern wirst du ältere Leute summen und pfeifen hören.
Es kommt eine Zeit, da werden wir viel zu lachen haben
und Gott wenig zu weinen.
Die Engel spielen Klarinette und die Frösche quaken die halbe Nacht.
Und weil wir nicht wissen, wann sie beginnt,
helfen wir jetzt schon allen Engeln und Fröschen
beim Lobe Gottes.
Inge Schnittker, Januar 2026