Bundesweite Tagung der Evangelischen Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel

(Dezember 2021)

Bundesweite Tagung der Evangelischen Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel (Dezember 2021)

Bundesweite Tagung der Evangelischen Fachberatungsstellen für Betroffene von Menschenhandel (Dezember 2021)

13 Mitarbeiterinnen aus Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein folgten der Einladung zum bundesweiten Vernetzungstreffen der evangelischen Fachberatungsstelle für Betroffene von Menschenhandel (BvMh), einem zweitägigen digitalen Austausch mit fachlichen Informationen Ende November.

Nigerianische „Confraternities“ waren Thema am ersten Tag von Kriminalhauptkommissarin Claudia Hühner vom Bundekriminalamt (BKA) mit ihrer Kollegin Kriminalhauptkommissarin Anja Matz. Die sogenannten „Bruderschaften“ sind sowohl in Westafrika als auch in Europa tätig und organisieren und kontrollieren verstärkt die Schleusung und den Menschenhandel. Durch das BKA wird vermehrt ein Zusammenhang zwischen den kriminellen Bruderschaften und den nigerianischen Betroffenen von Menschenhandel festgestellt, die in den Fachberatungsstellen Hilfe suchen. Außerdem berichteten sie über die sogenannten Hellfeld-Erhebungen des BKA, die jedoch nur begrenzt aussagefähig sind, da sich der Menschenhandel zum größten Teil im Dunkelfeld abspielt.

Anschließend stand ein ganz anderes Thema auf der Tagesordnung: „Resilienz und die Förderung der Resilienz unserer Klientinnen“. Ergebnis des Vortrags durch die Dipl. Psychologin Anna Monika Schäfer, Mitarbeiterin von NADESCHDA, und des gemeinsamen Austausches war, dass Netzwerkorientierung, Beziehungsgestaltung und Selbstwirksamkeit(-serwartungen) die wichtigsten Säulen für die Resilienz der Klientinnen sind.

Das Thema „Flucht, Asylrecht und die Umsetzung der Rechte von BvMh“ stand über dem zweiten Tag. Jörg Tigges, Fachanwalt für Migrationsrecht, referierte über das neue EU-Migrations-Asyl-Paket. Diese sehr komplexe Vereinbarung soll eine Balance zwischen Verantwortung und Solidarität hervorbringen. Ob es gelingen kann, wurde von den Mitarbeiterinnen der Fachberatungsstellen allerdings bezweifelt.

Im Anschluss stand der Fachanwalt für Fragen, Bedenken und Erfahrungen mit Klientinnen im Asylverfahren zur Verfügung. So konnten Themen wie Erfolg von fachlichen Stellungnahmen, Hürden in Verfahren beim Verwaltungsgericht und die Bleibeperspektive nach negativ beendeten Asylverfahren diskutiert werden.

Wieder einmal zeigte das Vernetzungstreffen deutlich, wie enorm wichtig der kollegiale Austausch zwischen den Fachberaterinnen für die weitere Arbeit mit BvMh ist. Die Veranstalterinnen und Teilnehmenden hoffen, in zwei Jahren das nächste Vernetzungstreffen durchführen zu können - dann hoffentlich wieder in Präsenz.

Corona-bedingt wurde das für 2020 geplante bundesweite Vernetzungstreffen der evangelischen Fachberatungsstelle für betroffene von Menschenhandel (BvMh) in das Jahr 2021 verschoben. Schweren Herzens musste schließlich diese Tagung von einem Präsenztreffen in Soest in eine Online-Tagung umgewandelt werden. Aber die steigenden Inzidenz-Zahlen ließen der Veranstalterin – die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen und ihre Fachberatungsstelle NADESCHDA - keine Wahl. Finanziell gefördert wurde die Tagung durch die „Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration“.

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