Halbzeitbilanz im Spitzenehrenamt der Westfälischen Frauenhilfe

(Oktober 2021)

Halbzeitbilanz im Spitzenehrenamt der Westfälischen Frauenhilfe (Oktober 2021)

Angelika Waldheuer, Vorsitzende der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V., blickt im Gespräch mit Öffentlichkeitsreferentin Manuela Schunk auf turbulente Amtsjahre zurück.

Zwei anspruchsvolle, verantwortungsvolle, ereignisreiche Jahre liegen hinter Ihnen. Vorsitzende zu sein ist eine „großartige Aufgabe“ verbunden auch mit hoher Verantwortung, Mühe und Aufwand – was hat Ihnen geholfen, dies alles „zu tragen“?

Mit viel Optimismus habe ich die Arbeit als Vorsitzende im Oktober 2019 übernommen. Ich hatte bereits zuvor vier Jahre im Vorstand mitgearbeitet und eine Ahnung, was in normalen Zeiten auf mich zukommen würde. Die Mehrheit des Vorstandes, die Arbeitsweise, deren Kompetenzen waren mir bekannt und ich wusste mich unterstützt.
Die erste Herausforderung war die Neubesetzung der Stelle der Leitenden Pfarrerin. Frau Weigt-Blätgen verabschiedete sich in den Ruhestand und es musste eine neue geeignete Nachfolgerin gefunden werden. Als wir im Bewerbungsverfahren waren, ging es in den ersten Lockdown. Keine einfache Situation, da persönliche Begegnungen kaum mehr möglich waren. Die hauptamtlich Mitarbeitenden unterstützten uns und führten uns in Telefonkonferenzen und Zoom-Sitzungen ein.

Der Wechsel war ein großer Kraftakt und wir können voller Stolz und Dankbarkeit zurückblicken. Die Verabschiedung von Frau Weigt-Blätgen, die Einführung von Frau Reiche und die damit verbundenen Gottesdienste waren trotz der Corona-Beschränkungen gelungene Veranstaltungen. Es hat sich dabei wieder einmal gezeigt, welches Potenzial, welche Kreativität und welches überaus große Engagement die Mitarbeitenden der Frauenhilfe im Zusammenspiel mit den Ehrenamtlichen einzubringen vermögen.

In der Corona-Pandemie waren und sind wir alle weiterhin gefordert. Mir persönlich hat der gute und lebhafte Austausch in unserem Verband geholfen. Und das nicht nur über Telefon, E-Mail und Briefe, sondern auch über unsere App „Frauenhilfe unterwegs“ mit vielen Berichten und Bildern. Diese Vielfältigkeit zeigt, dass keine alleingelassen wird und eine tiefe Verbundenheit da ist. Immer wieder entstand aus einem kleinen Hinweis, einem Anstoß Großartiges! Ich denke da an die Papierboote-Aktion zum Tag der Menschenrechte im letzten Dezember.
Oder an die vom pädagogisch-theologischen Team an die Gruppenleiterinnen verschickten Andachten, die dann wiederum an die einzelnen Mitglieder verteilt wurden und darüber hinaus Anlass zu weiterer Kreativität und Aktionen waren.

Welche Rolle spielen für Sie die Mitgliedsverbände und Gruppen?

Sie sind definitiv Dreh- und Angelpunkt unserer verbandlichen Arbeit! Sie wirken mit, die Frauenhilfe sichtbar und erlebbar zu machen - als Gruppe vor Ort in den Kirchengemeinden, als Bezirks-, Stadt- oder Synodalverband in den jeweiligen Kirchenkreisen. Ich möchte weiter befördern, dass sie sich in ihrem Engagement getragen wissen. Das geht nicht alleine. Es benötigt Unterstützung und diese bietet das pädagogisch-theologische Team auf vielfältige Weise: Fortbildungen, Konferenzen, Jahresthemen etc.

Meine Aufgabe - zusammen mit dem Vorstand und dem Team - wird es sein, gerade jetzt die Kontakte weiter zu aktivieren und für die vielfältigen Belange ein offenes Ohr zu haben. Den Verbänden und Gruppen gilt es, die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie jetzt brauchen und auch einfordern sollten. Das ist eine große Herausforderung. Im Ehrenamt alleine ist dies nicht zu schaffen, dazu braucht es auch hauptamtliche Kräfte.

Leitungswechsel vollzogen und ein Abebben der Pandemie vor Augen – was liegt für die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit auf dem Tisch?

An meinem Herzensanliegen, den Verband weiterzuentwickeln, hat sich nichts geändert! In vielen Gemeinden gelten die Frauenhilfegruppen vor Ort als Angebot nur für Seniorinnen. Ein großes Thema bleibt also nach wie vor die Entwicklung generationenübergreifender Projekte. Nicht außer Acht zu lassen ist die Stärkung von Frauen aller Altersgruppen im Ehrenamt.
Frauen aus unterschiedlichen Lebenswelten und Altersgruppen, mit unterschiedlichen Bedarfen und Bedürfnissen zu erreichen ist eine große Herausforderung!

Gleichzeitig gilt es, im Austausch und in Zusammenarbeit mit der Leitenden Pfarrerin Birgit Reiche, unsere sozialdiakonischen Einrichtungen weiterhin finanziell zukunftssicher zu erhalten. Eine weitere wichtige Aufgabe ist, mit den zurückgehenden Mitgliederzahlen - nicht nur in der Frauenhilfe, sondern in der Kirche insgesamt – umzugehen.

In der Pandemie werden Frauen einerseits besonders gefordert, andererseits in längst überwunden geglaubte Rollenmuster zurückgedrängt. Es gibt also viele Herausforderungen, die es zielgerichtet und profiliert zu lösen gilt. Wenn wir dies gemeinsam mit den Mitgliedern in den Frauenhilfen und gemeinsam mit den hauptamtlichen Mitarbeitenden angehen und zudem andere von uns und unseren Ideen begeistern, dann werden wir den Lösungen schrittweise näher kommen.

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