102 Prostituierte im Münsterland erhielten Beratung und Hilfe

(Februar 2022)

102 Prostituierte im Münsterland erhielten Beratung und Hilfe (Februar 2022)

Der Beratungsbus von TAMAR bietet in der Pandemie weitere Möglichkeiten, um Gespräche mit Prostituierten zu führen
Foto: EFHiW

„Die ohnehin schon schwierige persönliche und berufliche Lage der Sexarbeiterinnen wird durch die seit nun fast zwei Jahren anhaltenden COVID-19 Pandemie zusätzlich verschärft.“ Sabine Reeh ist Beraterin in der Prostituierten- und Ausstiegsberatung im Münsterland, TAMAR. Zum Einzugsbereich der Beratungsstelle, die in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. ist, gehörten bis Ende 2021 die Kreise Steinfurt, Borken, Coesfeld und Warendorf sowie die Stadt Münster.

Seit 2018 ist die Beratungsstelle tätig und konnte dort kontinuierlich ihre Arbeit ausbauen.
In der Pandemiezeit liegt ein besonderer Fokus der Beratungstätigkeit auf den vielfältigen sozialrechtlichen und psychosozialen Anliegen. „Beratung, Begleitung und aufsuchende Arbeit wurden auch im zweiten Pandemiejahr erheblich erschwert“, hebt Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle hervor. Die Beraterinnen konnten im Jahr 2021 Kontakt zu 137 Prostituierten aufnehmen, obwohl die Prostitutionsbetriebe fast 6 Monate schließen mussten. Davon 34 Frauen im Kreis Steinfurt, 29 Frauen im Kreis Borken, 38 im Kreis Coesfeld, 17 Frauen im Kreis Warendorf und 19 in der Stadt Münster. 93% der Frauen, die im Rahmen der aufsuchenden Arbeit und/oder der individuellen Betreuung im Jahre 2021 angetroffen wurden, sind Migrantinnen.

Insgesamt wandten sich 102 Frauen im Jahr 2021 an die Beratungsstelle. „Dabei dominierten Themen wie ALG II und alternative Tätigkeitsfelder während des Prostitutionsverbots sowie die Terminvereinbarung und Begleitung zu den Gesundheits- und Ordnungsämtern und anderen Behörden“, berichtet Reeh. Intensiv begleitete TAMAR in 2021 84 Klientinnen, davon im Kreis Steinfurt insgesamt 11 Frauen, im Kreis Borken 18 Frauen, im Kreis Coesfeld 36, im Kreis Warendorf 7 und in der Stadt Münster 12 Frauen. Im Ausstiegsprozess befinden sich 32 Frauen. „Aufgrund der Komplexität der individuellen Lebensbedingungen der Frauen läuft die intensive sozialarbeiterische Begleitung über Wochen, Monate und Jahre“, erläutert Beraterin Jolanta Schmidt.

„Obwohl die Zahlen für die ländliche Region des Münsterlandes eine deutliche Sprache sprechen, waren leider nur die Kreise Steinfurt, Borken und Coesfeld über das Jahr 2021 hinaus bereit, die Beratungsstelle aus kommunalen Mitteln weiter zu finanzieren“, stellt Reiche heraus. TAMAR MÜNSTERLAND wurde ab 2018 für drei Jahre durch Aktion Mensch gefördert.

Besonders in der Zeit der Schließung der Prostitutionsstätten in der Pandemie wurden die Stimmen lauter, die Rechtslage der Prostitution in Deutschland zu ändern und ein Sexkaufverbot auszusprechen. Dagegen hat sich die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen bereits vor Jahren ausgesprochen. „Dadurch wird die Situation von Sexarbeiter*innen nicht verbessert, sondern die Menschen viktimisiert und weiteren Gefahren ausgesetzt“, betont Reiche: „Es ist außerdem zu befürchten, dass Sexarbeiterinnen in Dunkelbereiche gedrängt werden und im Verborgenen arbeiten werden“, ergänzt Reeh.

Weitere Informationen

Weitere Informationen unter www.tamar-hilfe.de

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