73 Prostituierte in Südwestfalen intensiv beraten

(Februar 2022)

73 Prostituierte in Südwestfalen intensiv beraten (Februar 2022)

„Wie in nahezu allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen wurde auch die Arbeit von TAMAR im Jahre 2021 von der COVID-19 Pandemie bestimmt“, stellen die Beraterinnen, Sabine Reeh und Jolanta Schmidt, fest.
Foto: EFHiW

„Wie in nahezu allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen wurde auch die Arbeit von TAMAR im Jahre 2021 von der COVID-19 Pandemie bestimmt“, stellen die Beraterinnen, Sabine Reeh und Jolanta Schmidt, fest und ergänzen: „Waren vor der Pandemie die Beratungsanfragen oft vielfältig, so wurde durch das 2-malig verhängte Prostitutionsverbot der Schwerpunkt der sozialarbeiterischen Tätigkeit auf die Existenzsicherung verlagert.“

Im Jahre 2021 wurden seit der Wiederöffnung der Prostitutionsstätten nach dem Lockdown Ende Mai 2021 102 Frauen durch die aufsuchende Arbeit an insgesamt 24 Prostitutionsorten neu angetroffen: Davon 53 Frauen im Kreis Siegen-Wittgenstein, 12 Frauen im Kreis Olpe und 37 im Kreis Soest. Intensiv begleitete TAMAR 73 Klientinnen in 2021, davon im Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 27, im Kreis Olpe 14 und im Kreis Soest 32 Frauen. 29 Frauen befinden sich im Ausstiegsprozess. Aufgrund der Komplexität der individuellen Lebensbedingungen der Frauen läuft die intensive sozialarbeiterische Begleitung über Wochen, Monate und Jahre. Insgesamt wandten sich 89 Frauen im Jahr 2021 an die Beratungsstelle. Dabei dominierten Themen wie ALG II und alternative Tätigkeitsfelder während des Prostitutionsverbots sowie die Terminvereinbarung und Begleitung zu den Gesundheits- und Ordnungsämtern.

„Die Mitarbeiterinnen von TAMAR sind während der Pandemie noch flexibler und kreativer in Bezug auf den Ort der Beratung geworden“, betonte Birgit Reiche, Leiterin der Beratungsstelle: „Und das alles, um den Klientinnen weiterhin die Face-to-Face-Kommunikation zu ermöglichen.“ Um Sexarbeiterinnen bei ihren Anliegen innerhalb und außerhalb der Prostitutionstätigkeit zu unterstützen, ist ein Netzwerk mit anderen Beratungsstellen oder Behörden notwendig, welches TAMAR 2021, trotz der erschwerten Bedingungen durch die Pandemie, weiter ausbauen konnte.
Besonders in der Zeit der Schließung der Prostitutionsstätten in der Pandemie wurden die Stimmen lauter, die Rechtslage der Prostitution in Deutschland zu ändern und ein Sexkaufverbot auszusprechen. Dagegen hat sich die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen bereits vor Jahren ausgesprochen. „Dadurch wird die Situation von Sexarbeiter*innen nicht verbessert, sondern die Menschen viktimisiert und weiteren Gefahren ausgesetzt“, betont Reiche: „Es ist außerdem zu befürchten, dass Sexarbeiterinnen in Dunkelbereiche gedrängt werden und im Verborgenen arbeiten werden“, ergänzen die Beraterinnen.

Die Prostituierten- und Ausstiegsberatungsstelle TAMAR war bis April 2021 tätig für Südwestfalen und die Stadt Hamm. Anschließend wurde die Finanzierung nur vom Kreis Siegen-Wittgenstein zugesagt. Erfreulicherweise hat sich der Kreis Soest und auch der Kreis Olpe zu einer Finanzierung der Beratungsstelle entschieden. Die Mitarbeiterinnen beraten und unterstützen dort ebenfalls wieder Sexarbeitende. Der Hochsauerlandkreis und der Märkische Kreis haben sich gegen eine Förderung entschieden und die Stadt Hamm ist noch in der Entscheidungsphase. In diesen Regionen musste TAMAR die Arbeit leider einstellen.

Weitere Informationen

Weitere Informationen unter www.tamar-hilfe.de

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