Andere Lösungswege gesucht bei Menschenhandel

(August 2022)

Andere Lösungswege gesucht bei Menschenhandel (August 2022)

„Seit Bestehen der Beratungsstelle haben sich die Herkunftsländer der Frauen verändert, die Wege nach Deutschland und in die Prostitution sowie die Zugänge zur Beratungsstelle“, stellen die Beraterinnen von NADESCHDA klar: „Nicht verändert haben sich aber die individuelle Not der einzelnen Frauen, die Traumatisierung und der Bedarf an fachlicher Unterstützung auf dem Weg der Gesundung.“

Die Mitarbeiterinnen der Fachberatungsstelle für von Menschenhandel betroffene Frauen in Ostwestfalen-Lippe, NADESCHDA, stellen beim Blick auf 25 Jahre Beratungsarbeit fest: „Die besonderen Lebenssituationen von Menschenhandel betroffener Frauen machen eine umfassende Sozialberatung und individuelle Betreuungsangebote notwendig, um Notsituationen zu bewältigen und langfristig die Situation der von Frauenhandel Betroffenen zu verbessern.“

Durften ausländische Opfer von Menschenhandel in den ersten Jahren weder einen Sprachkurs besuchen noch zur Schule gehen oder arbeiten, kann NADESCHDA sie heute stärker in einer Integration unterstützen. Während in den ersten Jahren von NADESCHDA ca. 75 % der Klientinnen durch die Polizei vermittelt wurden, sind es im Jahr 2021 lediglich 11 %. 42 % der Betroffenen wurden von anderen Beratungsstellen aus dem ganzen Bundesgebiet übernommen.

Waren es früher vor allem Frauen aus Osteuropa, die ihre Hilfe benötigten, sind es heute zunehmend Frauen aus Afrika, Asien und Lateinamerika. Sie werden mit falschen Versprechen auf Arbeit oder Ehe nach Deutschland gelockt. Sie können die deutsche Sprache nicht und sind damit im fremden Land hilflos. Sie wissen darum, wie notwendig es ist, ihre Familien in den Herkunftsländern zu unterstützen.

Der Digitalisierungsschub seit Corona ist für die Klientinnen eher von Nachteil. „So benötigten die Klientinnen wieder verstärkt Unterstützung bei einfachsten Behördenvorgängen. Sprach- und Integrationskurse wurden eingestellt oder in Onlinekurse umgewandelt. Menschen ohne Internetzugang und Laptop waren plötzlich zurückgelassen. Viele Klientinnen sind frustriert und einsam“, erklärt Corinna Dammeyer. „Wir organisieren daher für sie IT-Schulungen in kleinen, auf ihre speziellen Bedürfnisse eingestellten Kursmodulen, stellen das technische Equipment zur Verfügung und bringen somit eine Verselbständigung erneut voran“, berichtet Mira von Mach. Andererseits wurden 2021 mit digitalen Schulungen zum Thema Menschenhandel durch Mitarbeiterinnen von NADESCHDA ca. 240 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in den Flüchtlingsunterkünften bzw. Fachberatungsstellen und der Polizei erreicht.

Angebote für Geflüchtete seit 2016

Die Zunahme an Geflüchteten in den letzten Jahren spielt auch in der Arbeit von NADESCHDA eine große Rolle. Seit April 2016 läuft das Projekt „Flüchtlingsberatung für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind“, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

Ziel ist dabei die Identifizierung von Frauen, die auf dem Asylweg Opfer von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung geworden sind. Die wöchentliche Sprechstunde für geflüchtete Frauen in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) wurde auch in den letzten beiden Corona-Jahren durch NADESCHDA durchgehend angeboten. Durch die Beratung konnten alle interessierten Frauen der Unterkunft eine niederschwellige Beratung in Anspruch nehmen und im Fall von Menschenhandel nach Wunsch in die intensive Beratung aufgenommen werden. Die Vorbereitung und Begleitung dieser Klientinnen zur Aktenanlage und Asyl-Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) konnte ebenfalls fortgesetzt werden.

Im Rahmen des Projektes konnten zudem ehemalige Klientinnen im Sinne des Peer-to-Peer Konzeptes zu so genannten Alltagslotsinnen ausgebildet werden, die nun aktuelle Klientinnen von NADESCHDA muttersprachliche Alltagsbegleitung anbieten.

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