„Dumme Fragen gibt es nicht!“

(Mai 2022)

„Dumme Fragen gibt es nicht!“ (Mai 2022)

Die kompetente und geduldige EDV-Trainerin Elke Schulze weiß: „Dumme Fragen gibt es nicht!“

Seit 25 Jahren, seit 1997, bietet die EFHiW Kurse im Bereich Medienkompetenz an. „Angefangen hat es mit einem Computerraum mit bis zu 15 PC-Arbeitsplätzen, die teilweise doppelt besetzt wurden“, erinnert sich Elke Schulze. Sie ist seit 2003 als EDV-Trainerin bei der EFHiW tätig. „2017 wurde dieser aufgelöst und seitdem finden die Schulungen an Notebooks in der Tagungsstätte Soest statt.“

„Ich bin doch viel zu alt, um noch den Umgang mit Computern zu lernen“, stellte eine pensionierte Lehrerin mit Anfang 70 fest. In ihrem Damenstift waren PCs für die Bewohnerinnen angeschafft worden. Sie war eine der ersten Teilnehmerinnen der EDV-Kursreihe mit dem Titel „Dafür bin ich nicht zu alt - EDV für Frauen ab 60 Jahren“, die die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) 2001 startete. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie in der Lage sind, mir das Gegenteil zu beweisen!“ Während der 2 ½ Tage hinterfragte sie alles sehr kritisch. Zum Abschluss gab sie zu: „Jetzt kann ich sogar einen Brief schreiben, drucken und speichern.“

Bis 2006 gab es ausschließlich mehrtägige Veranstaltungen im Angebot. Seit 2014 haben sich Kurse im wöchentlichen Rhythmus etabliert. Windows, Word, Internethandhabung gehören zur digitalen Grundbildung, dazu kommen Themen wie Excel, Powerpoint, kreative Textgestaltung, Büromanagement, Social Media und berufsbezogene Angebote, z. B. EDV für Erzieherinnen. 2020 kam die Bedienung des Smartphones hinzu und 2021 boomten die Einführungen in Zoom.

Anfangs waren es zumeist erwerbstätige Frauen. In den ersten 10 Jahren des neuen Jahrhunderts kamen verstärkt Frauen aus pädagogischen Berufen und Pflegeeinrichtungen, da die Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben digitalisiert wurden. Seit 2016 werden im EDV-Bereich fast nur Angebote für Frauen ab 60 Jahre angeboten und auch bei Zoom sind fast 90 % der Frauen über 50 Jahre.

Die Beweggründe, sich für einen Kurs anzumelden, sind sehr unterschiedlich. „Eine Teilnehmerin erzählte mir, sie habe eine chronische Krankheit, die sie in wenigen Jahren zur Rollstuhlfahrerin machen werde. Bis dahin wollte sie dazu in der Lage sein, Bankgeschäfte und Behördengänge online zu erledigen, damit sie die ihr zustehenden Krankentransporte nutzen könnte, um ihre Freundinnen zu besuchen“, berichtet Schulze. Manche Teilnehmerinnen erzählen, dass sie schon Kurse für Frauen und Männer besucht haben. Dort kamen sie aber mit ihren Fragen und Bedürfnissen nicht zu Wort. „Viele Teilnehmerinnen sind erleichtert, dass bei uns „ohne Vorkenntnisse“ bedeutet: Wir fangen wirklich ganz von vorne an. Es gibt keine dummen Fragen“, erläutert die EDV-Trainerin.

In den letzten 15 Jahren nahmen fast 800 Frauen an den durchgeführten 108 Veranstaltungen teil. Häufig glauben die Frauen selbst, dass ein Lernerfolg vom Alter abhängig sei. „Unsere älteste Teilnehmerin in einem EDV-Einführungskurs war 87 Jahre alt und hat mit gutem Erfolg teilgenommen“, erläutert Elke Schulze.

Ab Herbst 2020 bis in den Frühling 2021 waren die Einführungskurse für Zoom bereits kurz nach deren Veröffentlichung ausgebucht. Der Bedarf aus dem Kitabereich, anderen pädagogischen Arbeitsfeldern und bei Ehrenamtlichen war groß. Dabei ging es nicht um das bloße Teilnehmen an Videokonferenzen. Das hatten viele der Frauen bereits in den Wochen davor erlebt. Die Teilnehmerinnen der digitalen Veranstaltungen von Bildungsreferentin Christina Vetter setzten sich mit den technischen Hintergründen, dem Moderieren und Planen von digitalen Treffen und dem Umgang mit möglichen Fehlerquellen auseinander. „Frauen und besonders ältere Frauen werden unterschätzt, was ihre Fähigkeiten im digitalen und technischen Bereich betrifft.“ Christina Vetter stellt heraus: „Die Lernkurve in den überwiegend von Frauen besuchten digitalen Angeboten ist enorm, weil sie mit sehr viel Neugier und Mut teilnehmen und ein Ziel vor Augen haben: Alle Möglichkeiten zu nutzen, um anderen den Kontakt miteinander zu ermöglichen.“

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