Mehr als nur „Worte“

(September 2022)

Mehr als nur „Worte“ (September 2022)

„Sprache umgibt uns ein Leben lang. Sie prägt uns, zeugt von unserer Herkunft. Sie eröffnet uns Möglichkeiten, zeigt aber auch unsere Grenzen und kann uns gar ausschließen.“ So eröffnete Pfarrerin Lindtraut Belthle-Drury ihre Arbeitseinheit. 24 Stunden nahmen sich 15 ehrenamtliche Frauen Zeit, um über Bedeutung von Sprache im privaten, gesellschaftlichen und religiösen Kontext zu reflektieren. In Vorträgen und Gruppenarbeiten näherten sie sich mit den Bildungsreferentinnen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen, Claudia Montanus, Christina Vetter und Valeria Danckwerth, Mitte September in Soest der Bedeutung, Macht und Kraft von Sprache an.

Die teilnehmenden Frauen werden im kommenden Jahr Referentinnen zum Jahresthema der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen sein. Mehr als fünfzig halb-, ein- und mehrtägige Veranstaltungen in den Regionen Westfalens werden sich dann mit dem Thema Sprache auseinandersetzen. In der 24-Stunden Tagung in Soest lernen die Ehrenamtlichen die Arbeitseinheiten der Bildungsreferentinnen im Schnelldurchgang kennen. Inwieweit sind die Methoden und Inhalte stimmig und durchführbar? Die Frauen sind mit Feuereifer dabei, schmunzeln, geben Rückmeldung und tragen konstruktive Vorschläge bei - eine win-win-Situation für beide Seiten ist ein solcher Testlauf. 

Das Thema Sprache ist vielfältig: Wie und wann ist sie entstanden? Wie viele Sprachen gibt es? Haben die Neandertaler wohl gesprochen? Was hat die Reformation mit der deutschen Sprache zu tun? Wie verständigen sich gehörlose Menschen? Wie üben Worte Gewalt aus? Weshalb regt das "Gender-Sternchen" manche Gemüter auf? Wie können wir miteinander nicht-diskriminierend und wertschätzend sprechen? Wie können wir ohne Worte sprechen? Gibt es eine Sprache des Gebets?

Die Teilnehmerinnen versuchen sich wie Goethes Faust als Übersetzerinnen eines Bibeltextes, entdecken die fünf Sprachen der Liebe und ihre eigene Art der Kommunikation mit anderen, setzen sich mit Vorstellungen von Gott auseinander, malen Bilder und finden für sie stimmige Anreden für Gott. Eigene Erfahrungen mit Beten werden ausgetauscht, Psalter als Gebetbuch der Bibel kennengelernt und Psalme werden selbst geschrieben. Das mittägliche Tischgebet in Gebärdensprache hinterließ ebenso Eindruck wie der Liedvers „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht“ mit Bewegungen.

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