(Februar 2026)
Das neue Gewaltschutz-Zentrum der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen (EFHiW) beherbergt das FRAUENHAUS SOEST, die FRAUENBERATUNG SOEST und die Prostituierten- und Ausstiegsberatung TAMAR unter einem Dach. „Die Idee engerer Verzahnung von ambulanter Beratung und geschützter Unterbringung für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder ist eine gute Idee,“ sagt Birgit Reiche, Leitende Pfarrerin der EFHiW. Im vergangenen Jahr baute die EFHiW, die seit vielen Jahren Anti-Gewalt-Arbeit in Westfalen verantwortet, das zentral in Soest gelegene Gebäude zu einem modernen Schutz- und Beratungszentrum um.
Zum einen erweitert es das Schutz- und Unterstützungsangebot für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder im Kreis Soest erheblich. Mit der Verdopplung von acht auf sechzehn Plätze entsteht in der Etage des Frauenhauses ein deutlich größeres Angebot für Frauen ab 18 Jahren, die von physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt betroffen oder bedroht sind. Ab Anfang März gibt es hier zeitgemäße Schutzräume, in denen sich Frauen stabilisieren und neue Perspektiven gewinnen können. Die vollmöblierten Apartments – drei Ein-Raum- und dreizehn Zwei-Raum-Einheiten – sind bewusst praktisch und gemütlich gestaltet. Vier Apartments sind barrierefrei ausgestattet, darunter zwei für Rollstuhlnutzerinnen sowie je eines für Frauen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigung. Das Angebot richtet sich an Frauen aller sozialen Hintergründe, Nationalitäten und Lebenslagen – „Wir sind offen für queere und trans Personen – das geben die Räumlichkeiten nun her und unsere Haltung sowieso“, erklärt Maike Schöne, die das Frauenhaus leitet. Für Kinder gibt es mit der „Villa Kunterbunt" einen eigenen geschützten Bereich auf dem Gelände, der im Laufe des Jahres 2026 vollständig fertiggestellt wird. Hier können Kinder angstfrei spielen, lernen und – ganz wichtig – wieder Kind sein.
Zum anderen beherbergt das neue Zentrum eine eigene Beratungsetage: Mitarbeitende des Frauenhauses bieten Unterstützung bei allen Fragen rund um Gewalt und Krisensituationen. Auch die Frauenberatungsstelle des Kreises Soest, die allen Frauen psychosoziale Beratung und akute Krisenintervention anbietet, ist dort untergebracht. Um das Netzwerk zu vervollständigen, haben auch die Mitarbeiterinnen der Prostituierten- und Ausstiegsberatung TAMAR dort ihre Büros: TAMAR unterstützt Menschen in der Sexarbeit parteilich und vertraulich, fördert Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe und begleitet in komplexen Lebenssituationen. Diese Nachbarschaft ist weit mehr als nur ein logistischer Vorteil, findet Lena Sauerland, stellvertretende Leiterin der Anti-Gewalt-Arbeit der EFHiW: „Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem. Auch deshalb braucht Gewaltschutz gute Netzwerke.“
Das Zentrum ist auch im größeren Zusammenhang bedeutsam: Die Istanbul-Konvention verpflichtet Bund und Länder, ausreichend Schutzplätze bereitzustellen – einen pro 10.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Für den Kreis Soest mit rund 300.000 Menschen bedeutet das einen Bedarf von 30 Plätzen. Mit nun 16 Plätzen wird erstmals mehr als die Hälfte dieses Bedarfs gedeckt. Möglich wurde der Umbau durch ein Förderdarlehen des Landes NRW, Mittel der Aktion Mensch und der Stiftung Wohnhilfe sowie durch viele Spenden aus der Region. Hinter dem Gewaltschutz-Zentrum Soest steht die Überzeugung, dass Frauen und Kinder, die Gewalt erfahren haben, nicht im Verborgenen leben müssen. Sie verdienen verlässlichen Schutz – und einen Ort, von dem aus sie neu anfangen können.