Eröffnung Gewaltschutz-Zentrum in Soest | 27.02.2026
Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen
Sehr geehrte Festgäste,
wenn etwas Neues beginnt, hört etwas Altes auf.
Vor 100 Jahren wurde dieses Haus als Heimstatt für Frauen gebaut. Es waren evangelische Frauen, die alleinstehend, nicht durch Haushaltspflichten gebunden waren und in pflegerischen und kirchlichen Bereichen eine Aufgabe für sich sahen. Sie konnten in der Gemeinschaft eine Ausbildung in Kranken-, Gemeinde- und Familienpflege bekommen.
1921 wurde aus dem Diakonissen-Hülfsverein der Schwesternverband der westfälischen Frauenhilfe. Zu dieser Zeit bekam die Gemeinschaft Verbandsstrukturen und eine Oberin, die Schwesternmutter. Der leitende Pfarrer war der Vorsteher oder der Schwesternvater.
Was den Schwestern fehlte, war ein Zuhause, ein Mutterhaus. Da das ihr Haus werden sollte, erwartete man von jeder Schwester 100,00 Reichsmark als Spende. 1926 begann der Bau und wurde 1927eingeweiht. Die Schwestern trafen sich zu regelmäßigen Veranstaltungen: Schwestern-, Begegnung und Einkehrtagen. Oder auch nur mal zu Besuch.
Durch eine Pflegevorschule wurde es auch zum Ausbildungsplatz. Aus den Gemeinden kamen die Frauenhilfe-Gruppen „zum Kaffeetrinken“ oder den Jahresthemen-Tagen des Landesverbandes ins Mutterhaus.
Mitte der 1970er Jahren wurde das Mutterhaus Tagungsstätte. Die Schwestern merkten kaum einen Unterschied, denn wir waren immer noch zu Hause. Nie hatten wir das Gefühl in einem Hotel zu sein. Wir haben uns wohl gefühlt,
Nach Corona kam die Frage auf: was wird mit der Tagungsstätte? In einem Gespräch vor gut zwei Jahren teilte mir Pfarrerin Reiche mit, dass die Tagungsstätte umgebaut werden sollte! Ein Umbau fürs Frauenhaus. Ende 2024 wurde es ganz konkret. Ab 01.01.25 fand der Umbau zum Gewaltschutz-Zentrum statt.
In meiner Brust schlugen zwei Herzen. Das eine sagte: Prima, etwas für Frauen! Und das andere war traurig, ging doch eine Ära zu Ende.
Ich wünsche Ihnen alles Gute, möge Ihre Arbeit genauso erfolgreich sein wie die der Schwesternschaft. Und sie können in 100 Jahren sagen: wir brauchen das Gewaltschutz-Zentrum nicht mehr. „Es gibt keine Gewalt mehr an Frauen.“
Gottes Segen für Sie und Ihre Arbeit.