Dokumentation

Eröffnung Gewaltschutz-Zentrum in Soest | 27.02.2026

Gewaltschutz-Zentrum in Soest

Grußwort
Kirsten Schwenke

Vorständin der Diakonie RWL

Sehr geehrte Frau Waldheuer,
sehr geehrte Frau Reiche,
sehr geehrte Frau Vize-Landrätin Kruse,
sehr geehrter Frau Vize-Bürgermeisterin Maybaum,
sehr geehrter Herr Vizepräses Schlüter,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter aus der Kommunal- und Landespolitik und Europapolitik,
meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

es ist mir eine besondere Freude, heute zur Eröffnung des Gewaltschutzzentrums der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen sprechen zu dürfen.

Dass eine neue Gewaltschutzeinrichtung eröffnet wird, ist nicht selbstverständlich – schon gar nicht in dieser Größenordnung und Komplexität. Dafür braucht es Mut und Visionen. Für beides ist die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen gut bekannt.

Wir als Spitzenverband der Diakonie wissen, welche Anstrengungen Sie unternommen haben, um Ihre Vision umzusetzen. Es war ein jahrelanger Prozess, ein Auf und Ab und letztendlich die Frage, ob eine neue Gewaltschutzeinrichtung tatsächlich so umsetzbar ist. Zum Glück für uns alle konnten Sie Ihre Vision hier im Feldmühlenweg 15 umsetzen. Mit der Eröffnung haben Sie für viele Frauen und deren teils mitbetroffene Kinder in Soest und Umgebung einen Ort der sicheren Zuflucht und Unterstützung geschaffen. Als Soesterin und als Frau berührt mich diese Eröffnung ganz besonders. Es erfüllt mich mit Stolz, dass hier – in meiner Heimatstadt – ein Ort entsteht, der Schutz, Solidarität und Sichtbarkeit für gewaltbetroffene Frauen und Kinder bietet. Dieses Zentrum steht für Hoffnung – und für den Mut, als Gesellschaft hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen

Das Gewaltschutzzentrum ist dabei kein isoliertes Einzelprojekt – aber in der Weise, wie hier in Soest Beratung, Schutzräume und spezialisierte Hilfsangebote an einem Standort zusammengeführt werden, setzt es neue Maßstäbe in dieser Region. Diese enge Verzahnung ist etwas Besonderes und stärkt den Gewaltschutz für die Frauen und Kinder vor Ort spürbar.

Wie bitter notwendig Orte wie dieser sind, zeigt nicht nur die kürzlich veröffentlichte Dunkelfeldstudie der Bundesregierung zu Gewalterfahrungen. Ihre Zahlen zu häuslicher und partnerschaftlicher Gewalt sind erschütternd – und sie machen sichtbar, was viele Frauen jeden Tag erleben.

Doch auch das Hellfeld spricht eine eindeutige Sprache: Die Bundeskriminalstatistik verzeichnet seit Jahren kontinuierlich steigende Fallzahlen.

Wir erleben derzeit eine dramatische Zuspitzung häuslicher und sexualisierter Gewalt – und zwar unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund oder Herkunft. Gewalt gegen Frauen ist kein Randphänomen. Sie ist Realität mitten in unserer Gesellschaft.

Und Femizide? Sie sind keine tragischen Ausnahmen. Sie sind die grausam sichtbare Spitze eines Problems, das viel tiefer reicht: strukturelle Gewalt, Machtmissbrauch und ein Versagen hinzuschauen. Jede dieser Taten steht stellvertretend für viele weitere Frauen, die Gewalt erfahren, aber überleben – oft unsichtbar, oft ungehört.

Das Thema ist zwar vielerorts erkannt, doch die Umsetzung des Gewalthilfegesetzes kommt kaum voran. Kommunen kündigen nicht nur in NRW, sondern auch bundesweit zum 31. Dezember 2026 ihre Leistungsverträge, obwohl die Finanzierung der Fraueninfrastruktur auf dem Papier, nicht aber in der Realität gesichert ist. Gleichzeitig wird selbstverständlich erwartet, dass Träger weiterhin erhebliche Eigenanteile tragen. Ein Landesausführungsgesetz zur verlässlichen Finanzierung und zur Festlegung von Standards ist in NRW leider nicht in Sicht. Klar ist: Prävention und Gewaltschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Wer den Schutz von Frauen und Mädchen ernst meint, muss ihn auch finanziell absichern.

Heute stehen wir hier, um gemeinsam einen besonderen Moment zu feiern: den Erfolg, den Sie hier in Soest geschaffen haben – und um ganz bewusst Danke zu sagen.

Danke, liebe Evangelische Frauenhilfe in Westfalen, für Ihren unermüdlichen Einsatz, für Ihren Mut und für die Klarheit, mit der Sie Verantwortung übernehmen. In einer Zeit, in der Gewalt an Frauen und Mädchen und ein wieder offener werdender Frauenhass uns täglich begegnen, setzen Sie ein starkes Zeichen: ein Zeichen der Hoffnung, der Zuversicht und der Sichtbarkeit.

Als Spitzenverband begleiten wir Ihre Arbeit nicht nur gern – sie berührt uns. Wir werden uns auch weiterhin auf Landes- und Bundesebene mit Nachdruck für die Fraueninfrastruktur einsetzen und die wichtigen fachlichen Themen voranbringen, gerade dort, wo die Bedarfe oft übersehen werden.

Besonders am Herzen liegt mir, dass wir die Kinder gewaltbetroffener Frauen noch stärker in den Blick nehmen. Ihre Erfahrungen sind tiefgreifend, und sie brauchen eigene, gut geschützte Räume. Dass Sie hier in Soest diesen Weg konsequent gehen, verdient großen Respekt.

Sie sind in vielen Bereichen des Gewaltschutzes echte Wegbereiterinnen und Wegbereiter. Dafür ein herzliches Dankeschön – und zugleich die Bitte: Bleiben Sie weiter so mutig und beharrlich.  

Ich wünsche Ihnen für Ihre weitere Arbeit Kraft, Ausdauer, Zuversicht und Gottes Segen. Vielen Dank.