Geschichte
Nur wer die Vergangenheit und die eigene Geschichte kennt und verantwortet, hat eine Zukunft. Nichts wird bleiben, wie es einmal war. Und doch bleibt vieles in veränderter Form zu tun.
Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen wurde 1906 als Provinzialverband der Westfälischen Frauenhülfe gegründet. 75 von 91 bereits bestehenden westfälischen Frauenvereinen schlossen sich damals zusammen. Seitdem hat sich ihre Arbeit immer wieder verändert und weiterentwickelt.
Geblieben ist der Auftrag, Frauen zu stärken, konkrete Hilfe zu leisten und Verantwortung in Kirche und Gesellschaft zu übernehmen. Aus der Geschichte der Frauenhilfe sind Arbeitsfelder entstanden, die bis heute prägend sind: gemeindebezogene Frauenarbeit, Bildungsarbeit, Pflege-Ausbildung, Altenhilfe, Eingliederungshilfe und Anti-Gewalt-Arbeit.
Ehemalige Leitungspersonen
Viele Frauen und Männer haben die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen geprägt. Sie haben Verantwortung übernommen, Arbeitsfelder weiterentwickelt und die Frauenhilfe durch unterschiedliche Zeiten geführt.
Geschäftsführung
Schwesternschaft
Bis in die heutige Zeit hinein ist die Bedeutung der Schwesternschaft für die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen erkennbar. Die Kurse zur häuslichen Krankenpflege bildeten eine Vorstufe der heutigen Pflege-Ausbildung.
1907 rief die westfälische Frauenhülfe den „Diakonissenhülfsverein für Privatpflege in Westfalen“ mit Sitz in Münster ins Leben. Die Schwestern der Frauenhilfe übernahmen private Pflegedienste in Stadt und Land.
Die Ausbildung der Schwestern konnte zunächst nicht in eigenen Krankenpflegeschulen durchgeführt werden. Seit 1908 gab es deshalb Helferinnenkurse für junge Mädchen. Ab 1912 fanden diese Kurse im eigenen Haus der Frauenhilfe in Soest statt. Sie waren besonders für junge Mädchen aus dem ländlichen Bereich gedacht, die nach ihrer Ausbildung in ihren Heimatgemeinden ehrenamtlich in der Krankenpflege eingesetzt werden sollten.
1926 wurde in Soest das Schwesternheim errichtet. Der Dienstbereich weitete sich aus: auf Krankenhäuser, Müttererholungsheime und die Ausbildung von Pflegehelferinnen und Pflegevorschülerinnen.
Auch das Frauenheim Wengern wurde durch das langjährige Engagement der Schwesternschaft geprägt.
Bis heute bietet die Schwesternschaft Begegnungsmöglichkeiten, Tagungen, Reisen und Bibelarbeiten. Schwesterntage, Kontakte, Gespräche, Besuche und Fürbitten halten die Verbindung unter den Schwestern lebendig. Auch die Kontakte zu den Frauenhilfe-Schwesternschaften in Potsdam/Stralsund und im Rheinland sind Teil dieser gewachsenen Gemeinschaft.
Die Herausforderung für die Zukunft liegt darin, die spirituelle Kraft der Schwesternschaft zu stärken und sie einladend für Frauen zu gestalten, die eine geistliche Gemeinschaft suchen.
Oberinnen der Schwesternschaft
Chronik
Im Mai wird das Bildungs-Institut für Pflegeberufe in Warburg-Rimbeck eröffnet.
Die Tagungsstätte Soest als Soester Seminar- und Gästehaus wird zum 31.12.2024 geschlossen.
YUNA Westfalen-Lippe, Fachstelle Prävention und Beratung bei weiblicher Genitalbeschneidung FGM/C, nimmt im November ihre Arbeit auf. Die Fachstelle YUNA tritt parteiisch für von FGM/C betroffene oder bedrohte Mädchen und Frauen ein. Ihr Sitz ist in Herford.
Die Fachstelle YUNA Westfalen-Lippe ist in Trägerschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. Zusammen mit der Fachstelle YUNA Rheinland bildet sie das landesweite Projekt YUNA NRW.
Das Hotel Erika Stratmann in Bad Driburg wird zum 30. Juni geschlossen.
Zum 1. April wird die Fachberatungsstelle gegen sexualisierte Gewalt im Kreis Soest errichtet.
Seit Januar 2021 ist die Prostituiertenberatungsstelle TAMAR Südwestfalen in den Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe und Soest tätig. Die Arbeit im Münsterland konnte durch Förderung und kommunale Entscheidungen weiter abgesichert werden.
Mitte April endet die Finanzierung der Prostituiertenberatungsstelle TAMAR Südwestfalen. Die Arbeit für Südwestfalen wird beendet; die Beratungsstelle ist nur weiter im Kreis Siegen-Wittgenstein tätig.
Am 1. Dezember startet die Arbeit der Allgemeinen Frauenberatungsstelle im Kreis Soest.
Die Vermittlungsstellenarbeit für Müttergenesung einschließlich der Funktion als Landesvermittlungsstelle wird zum 31.12.2019 eingestellt.
Die Familienbildungsarbeit wird eingestellt.
Die Prostituierten- und Ausstiegsberatung für Frauen TAMAR in Soest wird für das Münsterland errichtet.
Die SIGA in Werdohl wird geschlossen. Die Tagesstätte Werdohl wird eröffnet.
Die Prostituierten- und Ausstiegsberatung für Mädchen und Frauen TAMAR in Soest wird für Südwestfalen errichtet.
Die stationäre Altenhilfe wird ausgeweitet: Das Alten- und Pflegeheim Hanse-Zentrum in Soest eröffnet mit 80 Plätzen für Frauen, Männer und Paare.
Oberin Renate Schumann wird Nachfolgerin von Oberin Gisela Borg in der Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen.
Die Prostituierten- und Ausstiegsberatung THEODORA wird errichtet. Die Beratungsstelle berät Frauen in der Prostitution in Ostwestfalen-Lippe.
Die Trägerschaft des Evangelischen Alten- und Pflegeheimes Haus Phöbe in Warburg-Rimbeck wird übernommen.
In Wengern richtet der Landesverband ein zweites Kontakt- und Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Behinderungen ein. Es richtet sich an Menschen unter 30 Jahren und erhält den Namen TREFF4U.
Die Altenpflege-Ausbildung wird ausgeweitet: Das Fachseminar für Altenpflege in Hamm wird in Trägerschaft übernommen. Damit weitet der Landesverband die Ausbildung auf insgesamt fünf Vollzeitkurse an zwei Standorten aus.
In Wengern richtet der Landesverband den TREFF ein, ein Kontakt- und Begegnungszentrum für Menschen mit und ohne Behinderungen.
Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Zur Großveranstaltung am 20. Mai 2006 in den Westfalenhallen in Dortmund kommen 7.250 Gäste.
Die Werks-Anerkennung für die Familienbildung wird zurückgegeben. Die Familienbildung bleibt fester Bestandteil der Bildungsarbeit des Landesverbandes.
Die Anerkennung des Fachseminars für Familienpflege wird zurückgegeben, da seit Jahren keine Nachfrage nach der Ausbildung vorhanden ist.
Das Märkische Institut für Rehabilitation in Plettenberg wird zum 31.12.2005 geschlossen.
Das Mutter-Kind-Kurhaus in Burbach wird zum 01.01.2003 geschlossen beziehungsweise vermietet. Damit ist kein Müttergenesungshaus mehr in Betrieb.
Die Müttergenesungsarbeit in Bad Driburg wird zum 01.01.2002 eingestellt. Das Haus wird als Tagungs- und Freizeitenhaus genutzt.
NAOMI, ein ambulanter Dienst für Menschen mit Behinderungen im Ennepe-Ruhr-Kreis, wird errichtet.
Die Prozessbegleitgruppe Nadeschda wird gegründet. Etwa 20 ehrenamtliche Frauen aus Ostwestfalen versuchen, Opferzeuginnen im Gerichtssaal den Rücken zu stärken.
Das Wohnangebot wird ausgeweitet: Haus Wegwende in Werdohl wird als besondere Wohnform für Menschen mit psychischer Behinderung eröffnet.
Auf Landesverbandsebene beginnen Tagungen zum Weltgebetstag für Kinder und Jugendliche.
Die Beratungsstelle für Opfer von Menschenhandel in Ostwestfalen-Lippe, Nadeschda, wird in Herford errichtet.
Die Frauenhilfe beteiligt sich an der Kampagne für Saubere Kleidung und ist bis 2004 Mitglied im Träger*innenkreis.
Erste EDV-Kurse „von Frauen für Frauen“ werden vom Landesverband angeboten.
Haus Isenburg wird geschlossen.
Die Beteiligung an der Westfälischen Kampagne gegen Kinderprostitution und Menschenhandel beginnt.
Die Evangelische Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Gohfeld wird geschlossen.
Die Reha-Einrichtung Märkisches Institut für Rehabilitation zieht nach Plettenberg um.
Das Wohnangebot verändert sich: Haus Wegwende wird zur Rehabilitationseinrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen.
Das Familienbildungswerk der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen wird als Weiterbildungseinrichtung anerkannt.
Die Westfälische Arbeitsstelle „Ökumenische Dekade – Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ wird beim Landesverband errichtet.
Nach dem Wegfall der Mauer findet die erste Begegnungs- und Verständigungstagung des Landesverbandes zwischen Frauen aus der Kirchenprovinz Sachsen und Westfalen statt.
Die Anti-Gewalt-Arbeit wird intensiviert: Das Frauenhaus Soest wird eröffnet.
Das Fachseminar Familienpflege wird durch das Fachseminar Altenpflege ausgeweitet.
Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen wird intensiviert: Das Frauenheim Wengern wird durch eine Werkstatt für Menschen mit Behinderungen erweitert.
In Werdohl wird die Selbsthilfe-Firma für gestaltende Arbeiten psychisch Kranker, SIGA, eröffnet.
Das Serviceangebot für Mitglieder wird ausgeweitet. Materialdienst und Service werden eingerichtet.
Die ambulante Wiedereingliederungshilfe psychisch Kranker im Märkischen Kreis beginnt. Später wird sie in Betreutes Wohnen Frauenhilfe umbenannt.
Das Müttererholungsheim in Laggenbeck wird geschlossen. Damit sind nur noch zwei Einrichtungen im Bereich Müttergenesung in Betrieb.
Die stationäre Altenarbeit beginnt: Das bisherige Feierabendhaus der Schwesternschaft in Soest wird zum Alten- und Pflegeheim Lina-Oberbäumer-Haus um- und neu gebaut.
Das Müttergenesungshaus Haus Isenburg in Kierspe wird Tagungsstätte.
Das Frauenheim Wengern wandelt sich zur Einrichtung für Menschen mit Behinderungen.
Die Arbeit mit psychisch kranken Menschen beginnt: Haus Wegwende in Werdohl wird zu einem Übergangsheim für Menschen mit psychischen Erkrankungen.
„Frauen lesen die Bibel mit ihren Augen“ ist einer von vier Schwerpunkten während der Feier zum 75-jährigen Bestehen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen mit 9.000 Gästen in der Westfalenhalle Dortmund. Damit beginnt der Einstieg in feministische Theologien.
Auf Landesverbandsebene beginnt die Durchführung von Weltgebetstags-Tagungen.
Das Mutterhaus der Schwesternschaft wird in eine Tagungs- und Begegnungsstätte der Evangelischen Frauenhilfe umgewandelt.
Aus der Höheren Wohlfahrtsschule der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen in Bochum und der Jugendleiterinnenausbildung der Kaiserswerther Diakonie entsteht die Evangelische Fachhochschule in Trägerschaft der Landeskirchen Rheinland-Westfalen-Lippe.
Eine Theologin des Landesverbandes wird mit der Landfrauenarbeit beauftragt.
Das Mütterkurheim Haus Hermann-Schnell-Metz in Burbach wird eröffnet.
Das Mütterkurheim Haus Wegwende in Werdohl wird eröffnet. Insgesamt sind zehn Müttererholungsheime in Betrieb.
Das Krankenhaus der Frauenhilfe in Soest wird in eine Familienpflegeschule umgewandelt.
Die einjährige Ausbildung von Familienpflegerinnen beginnt in der Evangelischen Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung in Gohfeld, später in Soest.
Insgesamt sind acht Müttererholungsheime in Betrieb.
Die Landfrauenarbeit beginnt.
Das Müttergenesungsheim Haus Isenburg bei Kierspe wird eröffnet.
Das Feierabendhaus der Schwesternschaft in Soest wird eingeweiht.
Die Mütterhilfe beginnt, später „Sozialer Dienst Mütterhilfe“.
Die Haushaltungsschule Soest wird in ein Infektionskrankenhaus umgewandelt.
Die diakonische Arbeit der Westfälischen Frauenhilfe wird wieder aufgenommen.
Arbeitsfelder werden durch das NS-Frauenwerk übernommen. Vereinstätigkeiten werden eingeschränkt. Während des Zweiten Weltkriegs werden Häuser geschlossen oder als Lazarett genutzt.
Die Repressionen für die Frauenhilfen vor Ort nehmen zu. Gestapo und Sicherheitsdienst der SS versuchen im Zeichen der „Entkonfessionalisierung“, die Frauenhilfe aus dem öffentlichen Leben weitgehend zu verdrängen. Verbote von Frauenhilfeveranstaltungen werden durchgeführt, jedoch nicht flächendeckend. Örtliche Frauenhilfeleitungen verhandeln mit der Polizei und erreichen mancherorts eine Aufweichung der Verbotspraxis. Zudem versuchen Frauenhilfegruppen, die Verbote zu unterlaufen.
Bis zum 15. März 1935 müssen Frauenhilfegruppen die Soester Erklärung anerkennen. Gruppen, die dies nicht tun, werden aus der Frauenhilfe ausgeschlossen. Nach Ablauf des Ultimatums wechseln etwa 10 bis 15 Prozent der Frauenhilfen in den Westfälischen Frauendienst.
Der erweiterte Vorstand der Westfälischen Frauenhilfe kommt in Soest zusammen. Die Soester Erklärung wird mit überwältigender Mehrheit verabschiedet.
Der engere Vorstand der Westfälischen Frauenhilfe kommt in Dortmund zusammen, um über die aktuellen kirchenpolitischen Ereignisse und die in Hamm gefassten Beschlüsse zu beraten. Es entsteht die Soester Erklärung.
In Hamm versammeln sich 220 Leiterinnen und Leiter von Frauenhilfegruppen, um über den kirchenpolitischen Kurs der Frauenhilfe abzustimmen. Die Anwesenden verlangen Neutralität.
Eine Gruppe weiblicher Vorsitzender aus den Reihen der Westfälischen Frauenhilfe protestiert gegen die einseitige kirchenpolitische Haltung der Führung des Evangelischen Frauenwerks in Westfalen und entzieht ihr das Vertrauen.
Massive Kritik an der Soester Entschließung setzt den engeren Vorstand unter Druck. Er hält weiterhin an einer engeren inneren Verbundenheit mit der Bekennenden Kirche fest, will aber mit allen kirchenpolitischen Gruppen gleichermaßen zusammenarbeiten.
Der erweiterte Vorstand der Westfälischen Frauenhilfe beschließt in der Soester Entschließung eine enge Verbundenheit mit der Bekennenden Kirche.
Das Mutterkurheim Bad Driburg wird eröffnet.
Das Schwesternheim in Soest wird eingeweiht.
Die landwirtschaftliche Haushaltsschule in Gohfeld wird erworben.
Die Evangelische Wohlfahrtsschule in Bielefeld wird eingeweiht; später übersiedelt sie nach Gelsenkirchen und Bochum.
Das erste Erholungsheim wird eröffnet: Der Stadtverband Gelsenkirchen erwirbt einen Hof in Windrath für ein eigenes Kindererholungsheim.
Die erste diakonische Einrichtung wird eröffnet: das Frauenheim in Wengern für „gefährdete und verwahrloste“ Mädchen und Frauen, später mit eigener Entbindungs- und Kinderstation. Das Handlungsfeld Prostitution wird sichtbar.
Die Westfälische Frauenhülfe zieht von Münster nach Soest. Das neu erbaute Haus der Westfälischen Frauenhülfe wird eingeweiht. Es wird als Verwaltung des Landesverbandes und Pfarrhaus genutzt, ab 1912 auch als erste Haushaltsschule der Frauenhilfe.
Das erste Angebot im Bereich Pflegeausbildung entsteht: zehnwöchige Kurse zur Ausbildung freiwilliger Helferinnen in der Krankenpflege auf dem Land werden eingerichtet.
Der Diakonissen-Hülfsverein für Privatpflege in Münster wird gegründet. Aus ihm geht später die Schwesternschaft der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen hervor.
Der Provinzialverband der Westfälischen Frauenhülfe wird in Witten/Ruhr gegründet. 75 von 91 bereits bestehenden westfälischen Frauenvereinen schließen sich zusammen.
Geschichte weitertragen
Die Geschichte der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen ist kein abgeschlossener Rückblick. Sie zeigt, wie Frauen Verantwortung übernommen, Gemeinschaft gestaltet und soziale Arbeit aufgebaut haben.
Diese Geschichte bleibt Auftrag für Gegenwart und Zukunft: Frauen stärken, Hilfe gestalten und Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begleiten.
Seit 2006 hat die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e. V. sich auf die Vision „Leben in Fülle für alle Frauen“ geeinigt. Grundlage aller Verbandsarbeit ist die Botschaft der Bibel und das Vertrauen auf die Verheißungen des Evangeliums von Jesus Christus. Theologie und Spiritualität werden lebendig durch Andachten, Bibelarbeiten, Frauengottesdienste, interreligiösen Dialog und ökumenische Kontakte.