Wie Armut Frauen trifft – Fachgespräch zwischen Praxis, Wissenschaft und Politik

Intersektionales Fachgespräch in Düsseldorf zeigt: Frauen sind in unterschiedlichen Lebenslagen besonderen Armutsrisiken ausgesetzt

Ende September 2026 fand im Düsseldorfer Landtag das intersektionale Fachgespräch „Wie Armut Frauen trifft und was wir dagegen tun können“ statt. Eingeladen hatten die weiblichen grünen Landtagsabgeordneten Ilayda Bostancieri, Norika Creuzmann, Laura Postma, Jule Wenzel und Gönül Eğlence gemeinsam mit dem Facharbeitskreis „Frauen in Not“. Die Geschäftsführerin der EFHiW, Birgit Reiche, und die Gesamtleitung des Frauenheim Wengern, Nadine Somer, nahmen für die EFHiW an der Veranstaltung teil und brachten ihre fachlichen Erfahrungen aus der Frauenhilfe in die Diskussionen im Plenum ein.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Armut Frauen in unterschiedlichen Lebenssituationen trifft und welche strukturellen Bedingungen dabei eine Rolle spielen. Armut hat viele Ursachen und zeigt sich in verschiedenen Dimensionen. Frauen sind besonders häufig betroffen, wenn beispielsweise Alleinerziehung, höheres Alter oder unbezahlte Sorgearbeit die Möglichkeiten zur Erwerbstätigkeit einschränken.
Niedrigere Einkommen, häufigere Teilzeitbeschäftigung und unterbrochene Erwerbsbiografien können das Armutsrisiko zusätzlich erhöhen und langfristige Auswirkungen auf die finanzielle Absicherung haben. Besonders deutlich wird die Bedeutung eines intersektionalen Blicks dort, wo mehrere Benachteiligungen zusammentreffen – etwa bei Frauen mit internationaler Biografie oder bei Frauen mit Behinderung, die zusätzlich mit strukturellen Barrieren konfrontiert sein können.
Das Fachgespräch brachte Akteurinnen aus Politik, Wissenschaft und der Frauenhilfe-Infrastruktur zusammen. Nach einer Keynote von Verena Schäffer, Ministerin für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, gab Prof. Dr. Ute Klammer von der Universität Duisburg-Essen Einblicke aus der Wissenschaft.
Anschließend standen verschiedene Praxisbeispiele im Mittelpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem das Projekt „Endlich ein Zuhause!“ der Caritas Gelsenkirchen für obdachlose, verdeckt wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Frauen, ein Empowerment-Wochenende von agisra e. V. sowie Angebote und Perspektiven des Netzwerkbüros Frauen und Mädchen mit Behinderung zur Teilhabe an Ausbildung, Beruf und Arbeitsmarkt.
Für die Vertreterinnen der EFHiW bot die Veranstaltung zugleich eine wichtige Gelegenheit, die Erfahrungen aus der praktischen Frauenhilfe einzubringen und mit anderen Sozialorganisationen ins Gespräch zu kommen. Besonders in den Pausen wurde die Möglichkeit zum fachlichen Austausch und zur Vernetzung intensiv genutzt.
Auf dem Foto: Beim Fachtag trafen sich (v. l.) Norika Creuzmann (MdL), Pfarrerin Birgit Reiche, Nadine Somer und Ilayda Bostancieri (MdL).