Die Vorstellung einer binären Geschlechterordnung von Frau und Mann – mit den zugehörigen Stereotypen und Rollenerwartungen – ist überholt. Geschlechtervielfalt ist in Deutschland in Kirche, Politik und Gesellschaft gelebte Realität und mittlerweile auch rechtlich verankert. Die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. (EFHiW) sagt NEIN zu jeglicher Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder Mensch ist von Gott gewollt und ins Leben gebracht. Damit verbunden ist eine besondere Würde, die jedem Menschen – nicht einem Geschlecht, einem bestimmten Volk oder Angehörigen einer bestimmten Religion – innewohnt. Ob Frau, Mann, divers oder nonbinär, ob lesbisch, schwul, bisexuell, hetero, trans, inter, queer oder Sternchen – alle sind von Gott geschaffen. Für alle gilt die Ebenbildlichkeit Gottes.
Die EFHiW verpflichtet sich zur Auseinandersetzung mit geschlechtlicher und sexueller Vielfalt sowie zur Akzeptanz von Diversität und zu einem wertschätzenden Umgang mit Differenz in all ihren Bezügen. Sie reflektiert herrschaftskritisch diskriminierende gesellschaftliche Strukturen und setzt Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierungen um. Sie entwickelt Arbeitsmaterialien zu Liturgie, Seelsorge und Verkündigung, die sich an Geschlechtervielfalt und Geschlechtergerechtigkeit orientieren. Sie verpflichtet sich, Haupt- und Ehrenamtliche zu sensibilisieren sowie die Zusammenarbeit mit queeren Netzwerken aufzubauen.
Die EFHiW fordert von der Evangelischen Kirche von Westfalen, ihren Ämtern und Werken sowie von der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe:
- diskriminierende gesellschaftliche Strukturen herrschaftskritisch zu reflektieren und Maßnahmen zum Abbau von Diskriminierung umzusetzen.
- sich bei den Fakultäten und Hochschulen für eine intersektionale feministisch-theologische, geschlechterbewusste und männerkritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen in Forschung und Lehre einzusetzen.
- Arbeitsmaterialien zu Liturgie, Katechese, Seelsorge und Verkündigung zu entwickeln, die sich an Geschlechtervielfalt und Geschlechtergerechtigkeit orientieren.
- Haupt- und Ehrenamtliche in Seelsorge und Beratung, an Schaltstellen, wie z.B. in der Mitarbeitendenvertretung oder in Leitungsverantwortung, für die Thematik zu sensibilisieren.
- eine angstfreie Organisationskultur zu fördern, damit Übergriffe und Diskriminierungserfahrungen ausgesprochen werden können.
- entsprechende Beschwerdestellen aufzubauen sowie finanziell und personell auszustatten.
- die Zusammenarbeit mit queeren Netzwerken auszubauen.
Die EFHiW fordert die Evangelische Kirche von Westfalen auf, auf die Expertise der EFHiW in Geschlechtergerechtigkeit zurückzugreifen.
Von den Theologischen Fakultäten und Hochschulen in Nordrhein-Westfalen fordert die EFHiW, sich für eine intersektionale feministisch-theologische, geschlechterbewusste und männerkritische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen in Forschung und Lehre einzusetzen.
Einstimmig verabschiedet von den Teilnehmerinnen der Herbstkonferenz der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V. am 27./28. Oktober 2021 in Soest


